Der Nachmittag gehört uns. Für nur zehn Euro mieten Walter und ich uns ein Taxi für den ganzen Nachmittag. Verglichen mit Deutschland ist Taxi fahren in Iran günstig. Zuerst bringt uns der Taxifahrer zu einem shiitischen Heiligtum. Eh’ ich mich verseh’ steck’ ich in einem bunten Blümchentschador aus Baumwolle. Durch den Fraueneingang komme ich in das Innere, wo es mir von der glitzernden Pracht der vielen Spiegelmosaike wieder einmal die Sprache
verschlägt. Wie in allen Mausoleen ist auch hier der Sarkophag von einem Metallgitter umgeben und mit einem in der Farbe des Propheten, nämlich grün, gehaltenen Stoff bedeckt.
Taarof, das rituelle Wechselspiel der Höflichkeit
Mein Mann möchte der Frau am Eingang ein kleines Trinkgeld für meinen geliehenen Tschador zustecken. Doch die alte Frau lehnt höflich ab. Er versucht es ein zweites Mal und wieder gibt die Frau ihm zu verstehen, dass sie das Geld nicht annehmen möchte. Walter schüttelt irritiert den Kopf, steckt den Schein wieder ein und murmelt während er weiter geht „Wer nicht will, der hat gehabt.“ Die Alte, ebenfalls irritiert, springt ihm schnurstracks hinterher, packt ihn an seinem Jackenärmel, er dreht sich um und schaut auf ihre aufgehaltene Hand. So etwas passiert, wenn man sich vor einer Reise nicht mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut macht. Taarof, so heißt das rituelle Wechselspiel der Höflichkeit, auf das Unwissende so gerne hereinfallen.


„Nein Danke, aber nicht doch“ –
„Bitte, nehmen Sie.“ –
„Nein, nein, das kommt überhaupt nicht in Frage.“